Wenn die Erdgeschichte bis heute Probleme bereitet

Was haben Geschehnisse, die vor hunderten von Millionen Jahren vonstatten gingen, mit heute lebenden Reptilien zu tun? Eine ganze Menge, wie ein Blick auf zwei Schildkrötenarten und die Vergangenheit zeigt. Vor etwa 200 Millionen Jahren bildeten die heute bekannten Kontinente einen einzigen Superkontinent, den die Wissenschaft Pangäa genannt hat. Pangäa war eine riesige Landmasse aus Wüsten, Salzseen, Gebirgen, tropischen Sümpfen, Wäldern und Savannen, die von primitiven Reptilien, unter denen sich die ersten Dinosaurier befanden, durchstreift wurden.

Dann, vor etwa 135 Millionen Jahren brach Pangäa entzwei. Es bildeten sich Laurasia (Nordamerika und Eurasien) und Gondwana (u.a. Südamerika und Afrika). 35 Millionen Jahre später trennten sich Südamerika und Afrika. Die Kontinentalverschiebung ging weiter bis die heutige Verteilung der Kontinente erreicht wurde. Übrigens ist die Bewegung nicht abgeschlossen. Während zum Beispiel der Atlantik wächst, schrumpft der Pazifik. Doch nun zu den Schildkröten.

Die Kontinentaldrift macht unter anderem der Grünen Meeresschildkröte (Tartaruga verde) das Leben schwer. Die Meeresschildkröte, die an der Küste Brasiliens lebt, schwimmt alljährlich über den halben Atlantik, um ihre Eier an den Stränden der Insel Ascension abzulegen. Ascension ist eine kleine tropische Insel im Südatlantik zwischen Afrika und Südamerika. Diese lange Reise unternehmen die Meeresschildkröten wohl mindestens schon seit der Zeit, als sich der Atlantik zwischen Südamerika und Afrika zu öffnen begann. Damals war Ascension noch eine dem südamerikanischen Festland vorgelagerte Insel. Mit der Kontinentalverschiebung entfernte sich Ascension vom Lebensraum der Meeresschildkröten, die der Insel aber treu bleiben und mittlerweile 1500 Kilometer Ozean durchqueren, um ihre Eier auf der „wandernden“ Insel abzulegen.

„Leidtragende“ der Kontinentaldrift sind auch Griechische und Maurische Landschildkröten, zumindest wenn sie in Terrarien gehalten werden. Eigentlich leben die Tiere nämlich auf den Sedimenten des Thetysmeeres, die sehr kalkreich sind. Dementsprechend haben die Landschildkröten ihren erhöhten Kalziumbedarf in ihrem ursprünglichen Habitat immer decken können, Kalziumquellen standen ja jederzeit zur Verfügung. In Gefangenschaft sieht das anders aus. Hier können die Tiere Probleme mit ihrer Ernährung bekommen: Der Proteingehalt der Nahrung ist zu hoch, der Kalziumgehalt zu niedrig. Daher sollte den Tieren immer eine Kalziumquelle zur Verfügung stehen.

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